Lange war ja das Gefühl, dass Kino im Abstieg ist - vor allem durch die Konkurrenz durch Streaming. Warum sollte ich ins Kino gehen, wenn ich unendlich viele (exklusive) Filme/Serien billiger zu Hause gucken kann. Während in den 00er Jahren Kino riesige Franchises geboren hat, waren es in den letzten 15 Jahren ja vor allem Serien, über die geredet wurde. Und der Kampf um die Aufmerksamkeit ist durch Gaming, YouTube und Social Media natürlich auch immer größer geworden.
Aber: Ich hab das Gefühl, dass die Talsohle erreicht sein könnte.
- Die Wachtums-Ära vom Streaming ist gefühlt over: Es gibt kaum noch Serien, die richtiger Talk of the Town werden. Netflix und Co. haben selbst immer größere Probleme, durchzudringen und Hypes zu erzeugen. Das Angebot ist einfach zu groß und qualitativ wird v.a. Netflix immer mehr zu dem, was TV-Sender früher waren. Natürlich wird Streaming als riesiger Markt bleiben - aber ich seh da kein riesiges Wachstum mehr.
- Weniger Ablenkung: Zumindest in meiner Wahrnehmung hat Kino für viele gerade den Vorteil, dass man keine Ablenkung hat und es iwie leichter fällt, das Handy wegzulegen. Und Leute wollen weniger ihr Handy benutzen (auch wenn sie das nicht schaffen)
- Der Event-Charakter funktioniert: Auch das nur anekdotische Evidenz, aber ich hab schon das Gefühl, dass Leute gerne "das Haus verlassen" wollen und das ein Vorteil für Kino ist, den andere Entertainment-Formen kaum noch haben.
Natürlich sehe ich auch, dass es riesige Probleme gibt.
- Es sind fast nur etablierte, riesige Marken, die in den Mainstream durchdringen (Super Mario, Minecraft...). Aber zumindest hat Hollywood offenbar gelernt, wie man solche Marken in Kinoerfolge umwandelt (früher hat das ja "nur" mit Buchverfilmungen geklappt - jetzt scheint man gelernt zu haben, wie man Serien oder Barbie-Puppen in kinotaugliche Storys pressen kann).
- Man setzt auf zu viel auf Wiederholung. Das löst bei vielen das Gefühl aus, dass im Kino immer das gleiche gezeigt wird (besonders krass natürlich Real-Life-Verfilmungen wie Vaiana nach wenigen Jahren) - aber auch die Frequenz von Superhelden-, Star-Wars- oder den immer gleichen Kinderfilm-Franchises ist einfach too much. Aber zumindest zeigen Erfolge wie Project Hail Mary, dass es auch anders geht und man mit solche Stoffen in kinofernere Milieus vordringen kann.
- Deutschland entfremdet sich etwas vom US-Markt. Kann sein, dass das schon immer so war, aber v.a. den Superhelden-Hype geht man hier (außer bei Spiderman) ja einfach nicht mehr mit.
- Deutschland fehlen aktuell die Riesenmarken, um den Mainstream zu erreichen. Früher gab es mit Bully, Till Schweiger und Elyas M'Barek absolute Hit-Garanten. Irgendwie tut sich Deutschland gerade schwer, solche fetten Kinomarken (außerhalb von Kinderfilmen) aufzubauen. Ich glaub aber, dass das eigentlich möglich ist - das europäische Ausland schafft es ja auch und vielleicht ist das starke Q1/26 ja ein zartes Pflänzchen, auf dem man wieder aufbauen kann
- Und: Anderen (europäischen) Kino-Marken gibt man hier ja keine Chance. Es gibt ja immer wieder absurde Erfolge aus Frankreich, Spanien oder zuletzt Kroatien. Ich würd mich so freuen, wenn man solche Überblockbuster wirklich breit und mit guter Marketing-Strategie starten würde, statt sie in so ner Arthouse-Nische sterben zu lassen - "Ziemlich beste Freunde" oder "Willkommen bei den Sch'tis" hatte doch eigentlich mal gezeigt, dass das möglich ist.
Das sind alles nur random Gedanken von mir - vielleicht seht ihr das ganz anders undhabt Zahlen, die das Gegenteil zeigen. Oder das sind alles eh No-Brainer, kann ich gar nicht einschätzen haha

